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Er legt damit den Grundstein für den ersten ausgelagerten Standort. Im Dezember 2006 wird er aufgenommen, fünf Monate später öffnet in Seesen das erste Büro außerhalb Kölns.

Mit dem Wachstum wächst auch der Druck, nicht nur innerhalb der Firma, sondern auch von außen. Das Ambulante Pflegeteam Marc Bennerscheidt ist den großen Mitbewerbern ein Dorn im Auge. Neben Verkaufsangeboten kommen von ihnen auch echte Drohungen. Alles in allem nehmen Marcs Sorgen zu und immer häufiger denkt er darüber nach, das Unternehmen tatsächlich zu verkaufen.

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Teamsprecher

Bei uns sind die Teamsprecher das, was in anderen Firmen der Betriebsrat ist: die Vertretung der Mitarbeiter. Anders ist aber, dass Konflikte nur in Gesprächen auf Augenhöhe
und mit einem abschließenden Konsens gelöst werden. Wie vieles andere ist auch die Teamsprecher-Funktion ein Ergebnis aus vorherigen Anregungen und Diskussionen. Es gibt an jedem Standort einen Teamsprecher, der von seinen Kollegen gewählt wird.

Zwei-Säulen-Prinzip

Das Fundament der beiden Säulen waren Konflikte, Krisen und viele Gespräche. Die psycho-soziale Kompetenz sehen wir seitdem als eine wichtige Säule der außerklinischen Intensivpflege, das medizinisch-pflegerische Fachwissen ist die andere tragende Säule.

Bonussystem

Das Bonussystem diente in erster Linie dazu, das Gehalt zu optimieren und für mehr Netto-Einkommen bei den Mitarbeitern zu sorgen. Durch verschiedene Leistungen konnten sie Punkte erwerben, die in Gutscheinen und Bargeld ausgezahlt wurden. Auch die Boni waren ein Zeichen der Wertschätzung, sind inzwischen aber durch ein einfacheres System ersetzt.

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Umzüge gehören zum Geschäft – wir werden groß

Das Pflegeteam wächst weiter. Im Mai 2006 steht der nächste Umzug an. Insgesamt 400 Quadratmeter Büro braucht die Firma. Zu der Zeit waren Alten- und Krankenpflege schon von der Intensivpflege getrennt. Und schon bald zieht die Alten- und Krankenpflege wieder dort aus, damit weiterer Platz entsteht.

Dringend wird jetzt auch die Frage, was zu tun ist, wenn ein eingeplanter Mitarbeiter ausfällt. Um Planungssicherheit für die Mitarbeiter zu schaffen und dafür zu sorgen, dass sie nicht immer damit rechnen müssen, angerufen zu werden und einspringen zu müssen, wird im Frühjahr 2006 der Hintergrunddienst eingeführt. Bis zuletzt hat er aber trotz seines positiven Ursprungs immer wieder zu Diskussionen und Krisensitzungen geführt.

Ein Zufall sorgt dafür, dass das Pflegeteam sich über die Grenzen Kölns hinaus ausbreitet. Ein junger Mann aus Seesen im Harz nimmt Kontakt zu Marc auf. Weil er vor Ort nicht die Pflege findet, die er haben will, übernimmt schließlich das Pflegeteam Bennerscheidt die Versorgung.

Sommer- und Weihnachtsfeste

Das Pflegeteam feiert gern. Zwei mal im Jahr feiern die Mitarbeiter gemeinsam – ein Sommerfest und eine Weihnachtsfeier. Das sind gute Gelegenheiten, sich jenseits des Arbeitsalltags besser kennenzulernen, Spaß miteinander zu haben und ein Gemeinschaftsgefühl zu bekommen. Die Geschäftsführung zeigt mit diesen Einladungen ihre Wertschätzung.

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Noch schneller wird deutlich, dass der psycho-soziale Faktor vor allem bei denen, die in der Intensivpflege arbeiten, eine große Rolle spielt. Weil die Mitarbeiter zum Teil große Schwierigkeiten im Umgang mit den Kunden und ihren Angehörigen haben, gibt es viele Krisen und viele Gespräche. Im März 2005 fängt die erste Referentin für den Sozialen Dienst an – das Zwei-Säulen-Prinzip entsteht und wird mit Leben gefüllt. Aber neben Teamsitzungen und Krisengesprächen wird auch gefeiert. Sommerfest und Weihnachtsfeier gibt es praktisch von Anfang an. Außerdem gibt es ab dem ersten Jahr Supervision für die Leitungskräfte, wenig später für alle Pflegekräfte.

Der Laden läuft: Sechs Intensivpflege-Kunden hat das Pflegeteam nach einem Jahr und jede Mengen Anfragen für weitere. Außerdem gibt es 18 Kunden in der Altenund Krankenpflege. Zwei Fachbereichsleitungen kümmern sich um die Intensivpflege und eine um die Alten- und Krankenpflege. Eine kleine Erleichterung gibt es auch für Marc und Sibylle: Die Rufbereitschaft übernehmen nun die Teamleitungen. Die beiden sind aber immer noch abwechselnd im Hintergrund, falls jemand ausfällt.

Gleicher Lohn für Alten- und Krankenpfleger

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – das ist die Grundlage für diese Entscheidung. Sie macht schon früh deutlich, dass psycho-soziale Qualifikationen in der außerklinischen Intensivpflege ebenso wichtig sind wie medizinisch-pflegerisches Können. Außerdem schafft sie Gerechtigkeit und Transparenz in der Gehaltsfrage.

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Erste Klausurtagung

Die erste Klausurtagung sollte das Wir-Gefühl stärken. Die Leitungsmitarbeiter sollten gemeinsame Ziele und Perspektiven für die Zukunft entwickeln. Schon bei der ersten Klausurtagung wurden die Werte des Unternehmens diskutiert – bis heute ein zentrales Thema bei jedem Austausch.

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Auch mit dem ersten Team – Improvisation ist Alltag

Die Werbung wirkt. Die Flyer, die Marc und Sibylle in Apotheken und Arztpraxen verteilen, ziehen neue Kunden nach sich. Ihre erste Altenpflege-Kundin müssen die beiden noch allein versorgen, drei Mal jeden Tag radelt einer von ihnen zu ihr – bis im Januar 2005 das erste Team den Dienst aufnimmt. Und auch der erste Intensiv-Kunde zieht weitere nach sich. Wieder muss improvisiert werden: Der zweite Kunde muss in Kelkheim im Taunus versorgt werden. Mit „Peggy“, dem roten Golf von Marcs Freund Jens, gibt es nur ein Auto, das der Firma zur Verfügung steht.

Trotzdem gibt es bald schon den Unternehmensalltag, wie wir ihn bis heute kennen. Im Januar 2005 finden die ersten Teamsitzungen statt, und pünktlich zur Gründung kommt der Medizinische Dienst zur ersten Prüfung – ungewöhnlich schnell, aber mit dem Ergebnis, dass es nichts zu beanstanden gab. Zwei weitere rote Fäden, die sich durch die ganze Geschichte des Pflegeteams ziehen, werden im ersten Jahr sichtbar. Das Büro in der Bobstraße wird schnell zu eng und im Juli 2005 erweitert.

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Nicht nur im ersten Büro: Hier streicht der Chef selbst

Dann geht aber plötzlich doch alles ganz schnell. Der erste Kunde ist bekannt, er muss intensiv versorgt werden und will, dass Marc und Bicki das machen. Ambulante Intensivpflege haben die beiden bis dahin zwar nicht geplant, bringt aber Geld in die Kasse. Und einige Entscheidungen, die bis heute gelebt werden. Die Zwölf-Stunden-Schichten entstehen, weil die ersten Mitarbeiter Aushilfen sind und ihre Dienste so am besten mit ihrem Hauptjob koordinieren können.

Im Oktober mietet Marc das erste Büro in der Bobstraße in der Kölner Innenstadt. Schon hier übernimmt Marc selbst das Einrichten, Gestalten und Anstreichen. Die Farbrolle hat er seitdem nicht aus der Hand gelegt – auch in jedem weiteren Büro, jedem neuen Standort und allen Wohngemeinschaften ist er Innenarchitekt, Raumausstatter und Maler.

Das Büro in der Bobstraße ist in der ersten Zeit das zweite Zuhause von Marc und Sibylle. An ihnen hängt eine ganze Weile die komplette Büro-Arbeit: Dienstpläne schreiben, Abrechnungen machen, Rufbereitschaft, Werbung und was sonst noch anfällt.

Dienstkleidung

Die gibt es bei uns nicht. Weiße Kittel und ein einheitliches Erscheinungsbild gehören ins Krankenhaus. Und wir vermeiden für unsere Kunden alles, was daran erinnert oder den Eindruck erweckt, sie könnten „auf Station“ sein. In der ersten Zeit war es außerdem eine Erleichterung für die Unternehmens-Kasse, die Mitarbeiter nicht einkleiden zu müssen.

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Erster Standort Pommes-Bude – der Anfang

Liebe auf den ersten Blick? Nein, das ist es nicht, eher im Gegenteil. „Arrogante Kuh“, „junger Schnösel“ – in Gedanken ist das vernichtende Urteil schnell gefällt. Dabei bleibt es aber nicht lange. Marc und Bicki finden Gemeinsamkeiten. An der Pommes-Bude kommen sie sich näher. Bei ihrem gemeinsamen Arbeitgeber sind sie nicht glücklich, das wird schnell klar – und eint die beiden. Die Besuche an der Pommes-Bude häufen sich. Hier wird die Idee für das Ambulante Pflegeteam Marc Bennerscheidt geboren. Bei Pommes wird es dann auch langsam konkreter – die Pläne reifen.

Ein kleiner, feiner Alten- und Krankenpflegedienst soll es werden, mit dem Fahrrad wollen die beiden zu den Kunden in ihrem Kölner Veedel fahren. Ganz wichtig: Es soll das geben, was ihnen bisher gefehlt hat. Werte wie Qualität, Spaß an der Arbeit und eine familiäre Atmosphäre sollen die Grundlage der Firma sein – und nicht im Alltag untergehen Mit ein bisschen Kapital und viel Herzklopfen starten die beiden im Sommer 2004.

Heimlich erst mal, so lange das Unternehmen noch nicht gegründet ist. Bis zur offiziellen Gründung des Unternehmens schalten sie Anzeigen unter Chiffre und laden zu Vorstellungsgesprächen in ein Café auf der Schildergasse ein.

Duzen

Die Mitarbeiter des Pflegeteams duzen sich – alle, auch Leitungskräfte und Geschäftsführung. War das bei dem kleinen Pflegeteam vom Anfang noch selbstverständlich, ist es heute ein bewusstes Zeichen für eine familiäre Atmosphäre und freundliche Kommunikation auf Augenhöhe – unabhängig von Hierarchie-Ebenen.